Dark Forest
I never heard a better lie
abstinenz


Sorgsam bahnte sich der junge Graf den Weg durch die Straßen Londons. Es war ein Irrgarten und doch waren es Wege und Gassen, die nur wenigen Individuen - und Sydney war sich sicher, dass es durchaus Straßen gab, die nur er besuchte - vertraut waren und jeden Naivling, der sich weniger auskannte, in die Irre führen konnte. 18 Jahre lang floss sein englisches Blut nun in ihm. Blut .. Erinnerungsfetzen aus längst vergangenen Tagen pulsierten unwillkürlich in seinem Kopf. Blaues Blut. Als Kind stellte er sich oft vor, die königliche Flüssigkeit in sich zu tragen. Er war das divergente Kind, das stets versuchte über Worte hinaus tief in das Innere eines Menschen zu sehen .. hineinzufühlen. Er wollte schon immer wissen wie diverse Menschen empfanden, wenn sie sprachen. Wo Unterschiede deutlich wurden und wo die Gemeinsamkeiten lagen. Und er erfuhr, dass durchaus Parallelen in den Köpfen existierten. Sydney fragte sich vieles .. ob sowas beispielsweise angeboren war, oder ob jeder Mensch nach dem gleichen Muster erzogen wird. Die Masse entschied, was richtig war und was Verruf und Strafe forderte. Die Masse entstand weil Einzelne zu feige waren ihren Standpunkt, ihre Meinung preiszugeben. Das wurde nun ihnen zum Verhängnis, allen Andersdenkenden wie ihm, "Silent Sydney". So wurde er damals von den Nachbarskindern genannt, und zu Recht. Es gab tausend Gründe nicht auf die Gespräche der Anderen einzugehen. Aber was der letztendliche Grund für diese tausend Gründe war .. es gab ihn nicht. Jedenfalls wollte Sydney ihn nie wahrhaben. Sein Vater und seine Mutter gerieten in einen Streit, als er ungefähr sechs Jahre alt war. Fast sieben .. genau, es war kurz vor seinem siebten Geburtstag. Den Grund für die Auseinandersetzung dieser streitdurchzogenen Ehe kannte er nicht. Er wusste nur, dass die Worte an diesem Abend viel schärfer, viel lauter ausfielen. Dass Gegenstände zerbrachen und er einen kurzen Schrei seiner Mutter hörte. Mit Mühe versuchte er in dieser Nacht einzuschlafen, wollte sich seit diesem Vorfall in der er eine Rolle der hassdruchtränkten Streitkonversation zwischen seinen Erzeugern niemals mehr in deren Angelegenheiten einmischen. Verdrängung war eine gute Freundin an seiner Seite. Und sie war immer bestehend, fortwährend. Nicht so wie seine Mutter, die am nächsten Tag des letzten und intensivsten Streits spurlos verschwand. Die Zeit danach fiel jedoch schöner aus, als die vergangenen Jahre. Er erinnerte sich an eine Kindheitszeit, die ihm viel Freude bereitete, auch ohne seine Mutter. Und irgendwann später verlor er sein zweites Elternteil. Und mit ihm regte sich etwas in seiner Brust, verkrampfte sich schwer und ließ seinen Atem unerträgliche Momente lang stocken. Doch er vermochte damals nicht zu sagen, was es war. Die Verdrängung lief immer dich bei ihm. Und auch zu diesem Zeitpunkt hörte er ihr Wispern, ihren Rat, der so viel richtiger sein musste, als der von "Silent Sydney".

 

9.5.08 07:19


Dextro Energy.

Das sanfte Nachgeben der Erden, das Rascheln und Zerstäuben der Blätter unter ihren Füßen wurde seltener, reine Natur verwandelte sich in festgetretenen Weg, verwandelte sich in unebene Straße.Hier war sie also, in der Stadt, und die Stadt stank. Anscheinend führte der Ausgang der Natur sie mitten in das Elendviertel, die Kanalisation hatte ihren Weg bis hierhin noch nicht gefunden. Verlorene Existenzen, dahinvegetierende menschenähnliche Wesen, verrotene Gedanken. Trunkenbolde lagen im Rinnstein, während jetzt, wo langsam der Abend zu dämmern begann, der Abschaum des Lebens sich wie Ratten auf die Straßen schlich, gemeinsam mit der Nacht und der Unkenntlichkeit. Einige Schritte trugen sie ihre Füße umher. Irgendwo in der ferne zersplitterte Glas, Stimmen wurden vom Wind herübergeweht und erzählten von Beschimpfung und Verleumndung. Bis auf die eben genannten Personen war die Straße leer, der beißende Gestank von Müll beleidigte ihre nase und ließ sie die frische Luft, die sie gerade noch riechen durfte, vermissen. Es ekelte sie an, und lieber zog sie eine hungrige Nacht vor, als sich hier niederzulassen. Am Straßenrand machte sie ein paar Bäume aus, die in eine Zuflucht zu führen schienen. Und shcneller als sie es sich versah, hastete sie darauf zu, um den Anblick der Unglücklichen nicht länger sehen zu müssen, die sich an das einzige klammerten, was sie noch hatten, ihr Leben, und dies in eine Jämmerlichkeit steuerten, die ihr undenkbar war.

23.4.08 21:05


.. aera ..

 

Sydney legte den Kopf in den Nacken und spähte zwischen den in der sanften Brise tanzenden Blätter zum Himmel, oder zumindest das Stück, was zwischen der grünen Farbe sichtbar war. Im Sammelsurium seiner momentanen Gedanken fand sich ebenfalls nichts brauchbares, nichts was derzeit von Belang wäre. Langsam wurde er es richtig leid.
Der junge Graf betrachtete eingehend die vorbeiziehenden Wolken in dem kleinen Dreieck Himmel. Englische Einöde. Zumindest in diesem kaum nennenswerten Wäldchen. Na gut, es waren ein paar aneinandergereihte Bäume am Stadtrand von London. Und dieser unerträgliche Frühlingsduft, der seinen Geist in ein Bett aus Watte legte, samt falscher Versprechungen von neu erwachenden Emotionen. Je länger er die heranziehenden Wolken taxierte, desto mehr legte er Erwartungen in eine Zeit lang Regenwetter. Nur um diesen Abschaum an aufkeimenden Gedanken wegzuspülen. Himmelstropfen, die die Menschen von den Straßen vertrieben. Interessant würde sein, wer trotzdem auf den Straßen herumirrlichtete .. Vielleicht würde er dann einen angemessenen Zeitvertreib finden. Etwas Spannung in dieser zu friedlichen Situation könnte nicht schaden, ganz und gar nicht. Fehlt nur noch der Regen.

 

23.4.08 15:52


Totgekaempft.

Sanftes Windflüstern, hauchendes Rascheln der Blätter im sanften Sturm der Zeit, Monotonie im Inneren. Seit geraumen Augenblicken reiht sich jeder Tag an den nächsten, ähnelt jeder Atemzug seinen Vorgängern, trübt nicht ein Hauch von Emotion den Tag oder ihre Seele. Das Leben war erträglich geworden, nicht mehr und nicht weniger, und auch wenn sie es tief in ihrem Inneren nicht wusste, so hatte diese stetige Gewissheit des Ereignislosen doch eine beruhigende Art auf sie, so war dies immerhin die Garantie für weniger Unannehmlichkeiten, die das Leben nunmal leider mit sich trug, unaufhörlich. Noch etwas schlaftrunken lehnte sie sich an einen Baum, den Krieg in ihren Eingeweiden ignorierend. Die Luft roch nach Schornstein und Abgasen, faulig und stinkend zog sich die Gegenwart der Menschen durch die Natur, noch bevor man etwas von ihnen sehen konnte. Noch bevor die Sonne, die sich vielleicht zum ersten Mal in diesem Jahr erträglich zeigte, untergegangen sein wird, würde sie die Stadt erreichen. Und einem armen Trunkenbold einige Shilling aus der Tasche zu ziehen um sich ein kleines Essen und ein Zimmer für 10 Pence zu mieten, war eine ihrer leichtesten Übungen. Sie war ein Mädchen. Und nicht hässlich. Also schüttelte sie sich den Schlaf aus dem Gesicht und machte sich an, sich ums Abendessen zu kümmern.

 

22.4.08 20:14


phoenix aus der asche.

 

Ein leises Seufzen. Die Situation, sein ganzes Umfeld war zur Zeit nur so gespickt von Langeweile. Desinteressiert glitt Sydneys Blick durch den Hain; die Blätterdächer unter denen er positioniert war, boten ihm Schutz vor den warmen, ersten Sonnenstrahlen dieses Jahres .. viel entspannender, wie er dachte.
In letzter Zeit passierte nichts sonderlich weltbewegendes. Bedeutungslose Menschen, deren Münder ebenso beudeutungslose Wortgebilde gebaren. Unwichtiges und uninteressantes eben. Da fände er es amüsanter, eine teure Teetasse in mehrere Einzelteile zersplittern zu lassen, damit sich ein armes junges Mädchen, dass er mal wieder mit nach Hause gebracht hat, sich eifrig danach bückte. Er war besessen von diesem Gefühl, höher zu stehen, genau zu wissen, dass sein Gegenüber sich unterwofen fühlt, gedemütigt. Doch im Moment sehnte er sich einfach nur noch nach irgendeiner Abwechslung, ganz gleich, was auch immer es wahr, und einer Regung, um dieser Lethargie nun endlich den garaus machen zu können.

 

22.4.08 16:14



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